Tochter der SchuldAls Alayne ihre
geliebte Großmutter Edith verliert und in deren Haus altmodische
Kinderkleidung mit einem geheimnisvollen Wappen findet, weiß sie
zunächst nichts damit anzufangen. Doch dann beginnt sie zu
recherchieren. Die Spur führt nach Cornwall: Hier bringt im Jahr 1940
die junge Lady Sarah ihr erstes Kind zur Welt – das kurz darauf
entführt wird. Was hat Alaynes Großmutter damit zu tun?
Knaur, Taschenbuch,
608 Seiten
ISBN 978-3-426-63974-0
€ 8,95
Exklusivausgabe
Sammleredition
"Familiengeheimnisse" im Weltbild-Verlag
Hardcover - Februar 2010, Weltbild-Verlag
ISBN
978-3-828-996519
€ 9,95
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auf den Seiten des Weltbild-Verlages
Edwina
las den Brief ein zweites und ein drittes Mal, aber die Worte änderten
sich nicht. Sie konnte es nicht glauben, was schwarz auf weiß vor ihren
Augen stand. Jegliche Farbe wich aus ihrem Gesicht. Unaufgefordert sank
sie auf einen Stuhl.
„Ich dachte, ich müsste dich gleich
informieren, Mädchen.“ Lord Henry betrachtete Edwina lauernd. „ Jetzt
kannst du zu dem wahren Erzeuger deines Kindes gehen, vielleicht hat er
ja die Courage und heiratet dich. Über die Unverschämtheit deines
Versuchs, meinem Bruder eine solche Sache anzuhängen und damit unseren
guten Namen in einen Skandal zu verwickeln, werde ich großzügigerweise
hinwegsehen und keine Maßnahmen wegen dieser Verleumdungen gegen dich
einleiten. Es ist ja jetzt wohl selbstverständlich, dass ich dich
niemals wieder auch nur in der Nähe von Pencarron Manor sehen will.
Hast du das verstanden?“
Wie betäubt stand Edwina auf. In ihrem
Kopf tobte ein Wirbelsturm. Es gab vieles, was sie sagen
wollte, aber sie brachte kein einziges Wort heraus. Ohne sich zu
verabschieden, verließ sie fluchtartig das Arbeitszimmer. Auf dem Flur
wurde sie von Hurstley erwartet, und sein zufriedenes Grinsen sagte
Edwina, dass er wohl an der Tür gelauscht hatte. Er bestätigte diese
Indiskretion, indem er sagte: „Du hast Mylord gehört. Komm, ich geleite
dich hinaus.“
Erst als sie den
Wirtschaftsbereich betraten, fand Edwina die Sprache wieder.
„Kann ich bitte mit meiner Schwester sprechen?“
Hurstley schüttelte den Kopf.
„Sie ist zum Arbeiten hier und nicht zum
Schwatzen. Jowna kann dich in ihrer Freizeit besuchen.“
Es blieb Edwina nichts anderes übrig,
als rasch das Haus zu verlassen. Unablässig hämmerten Samuels Worte aus
dem Brief in ihrem Kopf. Hatte sie sich wirklich so sehr ihn ihm
getäuscht? Waren seine Liebesschwüre null und nichtig, waren seine
Pläne für eine gemeinsame Zukunft nur eine einzige große Lüge gewesen?
War es ihm die ganze Zeit nur darum
gegangen, sie ins Bett zu bekommen? Warum dann ausgerechnet sie, Edwina
Goldsworthy? Samuel war ein gutaussehender Mann, der bestimmt keine
Schwierigkeiten hatte, Frauen für flüchtige Affären zu finden. Ziellos
lief Edwina durch den Garten. Erst als sie den alten, baufälligen
Taubenschlag erreicht hatte, merkte sie, dass sie sich immer noch auf
dem Grund und Boden von Pencarron Manor befand. Bis zum Ende des
letzten Jahrhunderts waren hier Tauben gezüchtet worden, aber seit
Jahrzehnten verfiel der mittelalterliche Bau immer mehr und hätte
eigentlich schon längst abgerissen werden müssen. Verzweifelt betrat
Edwina durch den niedrigen Durchgang den Raum, und ließ sich dort auf
einen steinernen Sockel sinken. Sie schlug die Hände vors Gesicht,
immer noch unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Plötzlich wurde
sie durch ein Geräusch von draußen aufgeschreckt.
„Wer ist da?“, rief sie und lauschte, aber niemand antwortete.
Edwina konnte jedoch deutlich Schritte ausmachen. „Jowna, bist du es?
Ich bin hier drinnen.“
Sie
stand auf und trat zum Durchgang. Sicher hatte ihre Schwester erfahren,
was vorgefallen war, und war ihr nachgegangen. Plötzlich vernahm sie
ein seltsames Geräusch von oben, und Staub rieselte auf sie herab. Sie
blickte nach oben und sah erschrocken, wie sich aus dem Mauerwerk
Steine lösten und auf sie herunterfielen. Instinktiv presste sie beide
Hände auf ihren Bauch, um das Baby zu schützen, da traf sie der erste
Stein auch schon an der Schulter. Mit einem Schrei fiel sie auf die
Knie, dann prasselte ein Stein nach dem anderen auf ihren Körper.
Offenbar stürzte der ganze Taubenschlag ein. Sie schrie laut um Hilfe
und versuchte, nach draußen zu kriechen, aber da traf sie ein
Mauerstück an der Schläfe. Edwina brach blutüberströmt und bewusstlos
zusammen.
Ricarda Martin 
Süffig, üppig, abenteuerlich
Familien- / Frauensagas gestern und heute