Das Lied der LügeWeltbild
Verlag, Hardcover, 731 Seiten
ISBN 978-3-868-00618-6
€ 9,99
„Sie
erwarten ein Kind?“ Lavinias Augen flackerten unruhig. „Was
ist mit dem Vater? Hat er Sie sitzenlassen? Ich nehme nicht an, dass
Sie verheiratet sind.“
„Oh, doch!“ Trotzig streckte Susan das Kinn vor.
„Mein Mann kann sich derzeit nur nicht um mich und unseren Sohn
kümmern.“ Susan war nicht gewillt zu erzählen, dass ihr
Mann seit über einem Jahr wegen schweren Raubes und
Körperverletzung im Gefängnis von Wandsworth einsaß,
also nicht der Vater ihres ungeborenen Kindes sein konnte. Sie hatte
nun endgültig genug von Lady Lavinia, ihrem vornehmen Getue und
Gejammer. Mochte sie in ihrem Haus auch mehrere Badezimmer und weiche
Handtücher haben – sie wollte nur noch von hier fort.
Ohne Lavinia weiter zu beachten, stand Susan auf und ging zur Tür.
Eine Hand bereits auf dem Knauf, hörte sie, wie Lavinia rief:
„Geben Sie mir Ihr Kind! Ich meine das Ungeborene. Sie
können es für mich austragen, und ich werde Sie dafür
gut bezahlen. Dann sind Sie Ihre Sorgen los.“
Susan glaubte, sich nun wirklich in einem Traum zu befinden, allerdings
wandelte dieser sich zu einem Alptraum. Mit einem Schnauben fuhr sie
herum.
„Sie sind ja verrückt und wissen nicht mehr, was Sie sagen!
Ich hätte Sie am besten im Wasser lassen sollen.“
„Es ist mein Ernst.“ Plötzlich klang Lavinias Stimme
ruhig und leise. „Wir könnten auf unseren Sommersitz nach
Cornwall fahren. Mein Mann würde uns dort nicht besuchen,
über den Winter kann er London nicht verlassen. Dort bekommen Sie
in aller Ruhe Ihr Kind, das ich als das meinige annehmen werde. Den
Leuten dort kann ich hundertprozentig vertrauen, sie würden ihr
Leben für mich opfern, wenn es sein müsste. Wenn alles vorbei
ist, gebe ich Ihnen ...“ Sie zögerte kurz und runzelte
nachdenklich die Stirn. „Sagen wir eintausend Pfund. Wenn Sie mit
dem Geld gut haushalten, reicht es einige Jahre und kann Ihnen den
Start in ein neues Leben ermöglichen.“
Die Summe fuhr wie ein heißes Eisen durch Susans Körper.
Eintausend Pfund! Sie hatte keine Vorstellung, wie viel das war, es
hörte sich jedoch unglaublich hoch an. Lavinia bemerkte Susans
Zögern. Sie trat neben sie, legte eine Hand auf Susans Schultern
und sah ihr eindringlich in die Augen.
„Überlegen Sie sich mein Angebot, Sie wissen ja, wo Sie mich finden.
Ricarda Martin
Süffig,
üppig, abenteuerlich
Familien- / Frauensagas gestern und heute