Das Geheimnis von Longwell House
Klappentext

Die 18-jährige Eileen Howard, Spross einer alten englischen Adelsfamilie, kehrt nach ihrer Ausbildung in einem Schweizer Internat in ihre Heimat Cornwall zurück, so sie erfährt, dass sie durch eine reiche Heirat den Familienbesitz retten soll. Empört flieht sie vor diesem Ansinnen zu ihrer Tante nach London und verliebt sich dort unsterblich in einen jungen Mann, dessen Herkunft im Dunkeln bleibt. Als der Geliebte ihr gesteht, er sei von seinen Eltern bereits einer Anderen versprochen, findet die Romanze ein schnelles Ende.

Nach dem Verlust des elterlichen Besitzes verdingt sich Eileen als Gouvernante auf einem alten Wasserschloss. Lord Longwell, seit einem Jahr Witwer, überträgt Eileen die Erziehung seiner beiden Kinder. Doch schon bald ereignen sich geheimnisvolle Vorfälle im Schloss, und Eileen beschließt, den Gerüchten um den mysteriösen Tod von Lady Cecilie Longwell nachzugehen. Bald verdichten sich die Anzeichen, dass Lord Longwell seine junge Frau ermordet haben soll.

Welche Rolle spielt Augusta Corben, die Haushälterin und Vertraute der verstorbenen Lady? Was geschieht des Nachts im Turmzimmer? In dem Hilfsgeistlichen Elias Kant findet Eileen einen Freund, der bald um sie wirbt, doch sie kann ihre Londoner Liebe nicht vergessen. Dann überschlagen sich die Ereignisse, und Eileen flieht erneut zu ihrer Tante, um Abstand zu gewinnen. Dort kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung …

Stieglitz, Hardcocer, 237 Seiten
ISBN-13: 978-3-79870356-8
                              € 19,90


Vier Wochen nach dem schönen Tag in London fing es an, zuerst ganz harmlos und unbedeutend. Ich fühlte mich in dem alten Wasserschloss immer mehr zu Hause, die Umgebung war mir inzwischen ebenfalls vertraut, und an schönen Tagen ritt ich mit den Kindern aus. Annica besaß ein kleines, ruhiges Pony, Tobias bekam eine ältere, braune Stute. Für mich hatte der Lord eine lammfromme Stute ausgewählt, so dass wir unsere Ausritte unbesorgt genießen konnten. Der Sommer meinte es in diesem Jahr gut mit England, Regentage waren selten, und die Sonne verwöhnte uns mit hohen Temperaturen.

An diesem Nachmittag waren wir bis zum nächsten Dorf geritten und hatten dort eine Hopfentrocknerei besichtigt. Die kegelförmigen Dächer mit den lustigen Windhütchen obenauf waren in großer Zahl in ganz Kent zu sehen. Nach dem Abendessen machte ich einen Spaziergang im Garten. Das war mir in den letzten Wochen zu einer lieben Gewohnheit geworden - zum einen waren die Sommerabende lau, zum anderen half es mir, meine Gedanken von Mike Swaddon abzulenken. Längst hatte ich den Versuch, mich abends auf ein Buch zu konzentrieren, aufgegeben. Oft merkte ich beim Umblättern, dass ich von dem eben Gelesenen kein Wort verstanden hatte. Mein Verhältnis zu Miss Corben hatte sich in keiner Weise geändert. Die kühle Distanz zwischen uns wurde von ihr aufrecht gehalten, manchmal meinte ich sogar, argwöhnisch beobachtet zu werden. Warum nur? Sie konnte wohl kaum auf meine immer besser werdende Beziehung zu den Kindern eifersüchtig sein. Miss Corben machte mir nicht den Eindruck, als wäre sie besonders kinderlieb. Sie hatte sich zwar nach dem Tod Lady Longwells um Tobias und Annica gekümmert, aber aus Bemerkungen der Kinder konnte ich heraushören, dass es ein eher zweckmäßiges als liebevolles Verhältnis gewesen war.
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Rebecca Michéle

Historische Romane vor dem Hintergrund der englischen Geschichte um große Gefühle und  Leidenschaft